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.oO Das Kalb (Gedicht von Justinus Kerner)


~xX([Das Kalb])Xx~

Du Tier, im dunklen Stall geboren,
Eh' du des Lebens recht bewusst,
Greift dich ein Schlächter bei den Ohren
Und reißt dich von der Mutterbrust.

Dein großes Auge fromm und helle,
Sieht da die Au' zum erstenmal,
doch angstvoll; denn des Hunds Gebelle
Treibt rastlos dich durchs grüne Tal.

Bald binden sie dir deine Glieder,
Sie achten nicht dein Angstgeschrei,
Man wirft dich auf die Schlachtbank nieder
Und schneidet dir den Hals entzwei.

Doch bei dem letzten Hauch der Kehle
Ein Glanz aus deinen Augen spricht:
"In mir auch wohnet eine Seele,
Für mich auch hält ein Gott* Gericht."


Justinus Kerner (1786-1862)

*Anm.: Ich distanziere mich antürlich von jeglichem Theismus, trotzdem finde ich das Gedicht rührend und seiner Zeit eben angemessen.


.oO Die Heldin (Gedicht von Christian Morgenstern)


~xX([Die Heldin])Xx~


Muhme Kunkel geht voraus
wo's ein Tier zu schützen gilt.
Tapfer hält sie ihren Schild
vor die kleinste Ackermaus.

Ihre Dienstmagd Lulu Hammer,
welche Fleisch frisst wie ein Wolf
sperrt sie ein, samt dem Kälblein Rolf
eines Tages in ihre Kammer.

Legt ein Beilchen ihr parat,
spricht: Wofern dir Fleisch so not
schlag denn dieses Fleisch selbst tot, -
oder aber iss Salat.

Lulu, ganz in sich gewandelt
fühlt, wie grauslich ihre Gier,
bittet ab dem Bruder Tier.
Ja, noch mehr, sie hat gehandelt

wie sonst nur des Helden Weise:
Nämlich gab, fürwahr, sie tat es,
Rolf die Köpfe des Salates
und verblieb selbst ohne Speise.

Schließlich ruft sie nach der Muhme ...
Diese lässt die Zwei heraus.
Lulu lebt seither im Haus
reinerer Moral zum Ruhme.

Christian Morgenstern (1871-1914)



.oO There will be a better world (Gedicht)


~xX([There will be a better world])Xx~


There will be a better world
Im sure we will see
No senseless killing
Just you and me

There will be a better world
For all of us, you and me
Were all being equal
Were all being free

All humyns are equal
All animals too
Theres no senseless killing
Theres just me and you

I know this will come
Im sure we brake free
No senseless suffer
Just you and me

There will be a better world
I know theres a way
You just have to believe in
Believe in what i say

Fliederli, Frühjahr 2009

.oO Kannibalismus (Gedicht)


~xX([Kannibalismus])Xx~



Speichel und Blut, Speichel und Blut
Ich weiß es ist grausam, doch sie riechen so gut
Ich seh ihre Leiber, ich schmeck ihren Saft
Wer kann es bestreiten: Fleisch ist ein Stück Lebenskraft!

Wir sollten wirklich viel dankbarer sein
Sie geben uns Schinken passend zum Wein
Obwohl geben ja eigentlich nicht so ganz stimmt
Ich bin es, der ihnen Haxe und Leben nimmt

Speichel und Blut, Speichel und Blut
Sie lassen ihr Leben und schmecken so gut
Die Klinge, die Schreie, es muss einfach sein
Ich esse gern Herzen, ich esse gern Schwein

Wer frisst schon gern Pflanzen, das hat keinen Stil
Aber ganz frisches Fleisch, und davon recht viel
zusammen mit Eiern, mit Rogen, mit Milch
Nur ein paar junge Seelen, mehr will ich doch nicht

Speichel und Blut, Speichel und Blut
Ich spalte die Schädel, sie riechen nach Wut
Ich gehe mit Gott, es ist meine Pflicht
Fressen oder gefressen werden, heißt es so nicht

Der Opfer sind viele, der unseren auch
Sie füllen den Magen, sie füllen den Bauch
Ich mag den Geruch, es ist niemals Mord
Es ist ein Bedürfnis, ein Vorrecht, ein Sport

Nicht nur das Fleisch, das reizt mich gar sehr
Die Frauen sind weitaus ergiebiger
Das weiße Blut, die Milch ihrer Brüste
Die Nahrung der Kinder, nach der mich gelüstet

Speichel und Milch, Speichel und Milch
Es dampfen die Säfte, sei's Blut oder Milch
Vergewaltigung klingt hässlich, findet ihr nicht
Was tu ich nicht alles für ein gutes Gericht

Schwängert die Frauen, schlachtet die Kinder
Wer redet von Menschen, ich meine die Rinder
Wer weiß schon, ob sie wirklich empfinden
Was sagt es schon aus, dass sie schrein und sich winden

Eier, Milch, Blut und das ganze Gekröse
Wer sagt ich sei herzlos, wer sagt ich sei böse
Sie ließen uns doch alle genau so krepieren
wären sie an unsrer Stelle und wir an der ihren




.oO Das Mastschwein (Gedicht)

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~xX([Das Mastschwein])Xx~


Ich bin ein Schwein vom Mastbetrieb
Der weit vom Einkaufszentrum liegt
Damit der Fleischesser nicht sieht
Dass, was nun dort im Regale liegt
Vorher endlos Qualen litt
Ich bin ein Schwein vom Mastbetrieb
Und weiß noch nicht, was mir geschieht
Doch schon in einigen Wochen und Tagen
Werde ich’s erfahren haben
Dann, wenn alle meine Knochen sinken
Unterm Gewicht von Fett und Schinken
Und Muskeln keine Kraft mehr geben
Um mich auf meine Huf’ zu heben
Dann, wenn ich krauche auf den Wunden
Die ich mir auf Beton geschunden
Und ich mit trüben Augen seh
Dass es allen Schweinen so ergeht

Ich bin ein Schwein vom Mastbetrieb
Und erfahre nun mit Schlag und Hieb
Als ich schon kaum noch laufen kann
Jetzt bahnt sich etwas Schlimmres an
Ich ahne es, doch kann’s nicht sagen
Schon werde ich hinausgeschlagen
Zum ersten Mal an frische Luft
Doch hab’ ich das nur kurz gedurft
Gewaltsam werde ich bedrängt
Und eine Rampe hochgezwängt
Kaum hab’ ich mich hinaufgezwungen
Hab’ ich schon um letzte Luft gerungen

Ich war ein Schwein vom Mastbetrieb
Und wusste nicht, was mir geschieht
Ich bin im Transporter schon erstickt
Bevor man mich zu schlachten schickt
Doch um mich ist es nicht schlimm
Denn es sind nicht alle hin
Die restlichen Schweine in dem Wagen
Müssen den Tod erst noch ertragen
So fahren sie weiter zur Endstation
Dort wartet der Metzger voller Hohn
Denn statt den Tieren, die wir sind
Sieht er nur Wurst zum Geldgewinn

Ich war ein Schwein vom Mastbetrieb
Und merkte schnell, der Mensch nur liebt
Das Tier, das ihm zur Nahrung dient
Und ihm etwas Gehalt einbringt